Der erste Verhandlungstag…

… wurde natürlich von allen mit Spannung erwartet. Sehr viel Medienvertreter, ich schätze mehr als doppelt so viele wie Zuschauer am Ende des Tages. Da waren es noch ca. 30 Zuschauer, zu Beginn weniger als 50. Also viele leere Stühle im Zuschauerbereich. Allein der WDR war mit vier Übertragungswagen mit Satellitenschüsseln präsent. Keine Ahnung, worüber die so viel und live berichten wollten. Die Nebenkläger fühlten sich teilweise von Kameras gejagt. 

Inhaltlich? Eigentlich nicht viel, sieht man von einem Befangenheitsantrag der Verteidigung und einer sog. „Besetzungsrüge“ einmal ab. Jedenfalls kann nicht von einer „Flut von Anträgen“ die Rede sein, wie dies eine überregionale Zeitung schrieb. Man muss den Verteidigern zubilligen, einen Befangenheitsantrag gegen zwei Ergänzungsschöffen zu stellen, deren Töchter bei der Loveparade waren, auch wenn die Töchter vor der Katastrophe gegangen waren. Aber dass dies den Eindruck der Befangenheit bei den Angeklagten wecken kann, zumal einer angab, dass er sich nicht mehr erinnern kann, ob er mit seiner Tochter über die Veranstaltung gesprochen hat, ist nachvollziehbar – und der Eindruck genügt für einen entsprechenden Antrag. Der zweite Antrag zur Besetzung des Gerichts war dann schon weniger klar, da er vor allem juristisch begründet wurde. Aber auch er erschien mir zumindest nicht offensichtlich unzulässig. Die Verhandlung hat heute (netto, zieht man Unterbrechungen und die Mittagspause ab), vielleicht 4 Stunden gedauert,  einschliesslich Verlesung der Anklageschrift, die alleine ca. 45 Min. dauerte. Und genau hier hat es leichte Irritationen und auch atmosphärische Verstimmungen gegeben,  da die Verteidiger den Antrag stellten, die Anklageschrift nicht zu verlesen, da sie nicht (mehr) zutreffend sei. Tatsächlich stammt Sie von 2014, und in der Zwischenzeit sind ehemalige Nebenkläger ausgeschieden und neue hinzugekommen. Das kann, juristisch betrachtet, relevant sein. Aber der Antrag wurde abgelehnt.

Wie haben Herr Reissaus und seine Frau den ersten Tag empfunden? Da ich sie auf die Anträge und den Verlauf mit den Unterbrechungen vorbereitet hatte, waren sie nicht überrascht und haben den Tag nach eigener Aussage gut überstanden. Jetzt sind sie auf der Heimfahrt nach Ostwestfalen. Ein langer Tag, auch für sie.

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