Zeugenvernehmungen und Umgang mit Videos

Der siebte Prozesstag begann mit diversen Anträgen und Unterbrechungen. Mit der eigentlich für diesen Tag um 9:30 Uhr geplanten Vernehmung einer Zeugin konnte erst um etwa 12 Uhr begonnen werden. Zuvor gab es aber noch einen Antrag, in dem der Vernehmung der Nebenkläger widersprochen wurde, bevor Prof. Dr. Gerlach sein vorläufiges mündliches Gutachten erstattet hat. Dieser Widerspruch des Verteidigers wurde zurückgewiesen, da die Erhebung dieser Beweise zum jetzigen Zeitpunkt nicht unzulässig sei (d.h. das Gericht bestimmt den Gang des Verfahrens, nicht die Verteidiger).

Hier wie bei allen Anträgen erfolgt immer das gleiche Ritual: Es wird aufgrund des Antrags der Verteidiger auf gerichtliche Entscheidung unterbrochen und es ergeht ein sog. „Kammerbeschluss“ (also aller Richter und nicht nur des Vorsitzenden), mit dem die Entscheidung des Vorsitzenden „aus den zutreffenden Gründen der Entscheidung“ bestätigt wird.

Die erste Zeugenvernehmung brachte dann tatsächlich Bewegung in das Verfahren, und zwar in vielfacher Hinsicht. Vor allem natürlich emotional, denn die Schilderungen derjenigen, die bei der Katastrophe dabei waren, berühren wohl alle im Saal. In meinem Bog will ich auf die Inhalte der Zeugenaussagen nicht ausführlich eingehen, da sie in der Regel in der Tagespresse wiedergegeben werden, so auch hier. Ich werde lediglich versuchen, besondere Vorkommnisse zu kommentieren.

Die Vernehmung der Zeugen konnte an dem Tag nicht ganz beendet werden. Am Ende wurde noch Videomaterial abgespielt – auch das wird sicherlich noch häufiger geschehen. Hierbei handelte es sich um geschnittenes Material, weswegen sich im Anschluss die Diskussion ergab, wie nun weiter zu verfahren sei, da die Verteidigung das Originalmaterial sehen will. Der Zeuge hatte das auf einem USB Stick dabei; hier kam dann aber die Frage auf, ob das Material so einfach eingespielt und gespeichert werden kann (Stichwort: Viren). Der Zeuge äußerte allerdings den Hinweis, dass er bereits bei seiner polizeilichen Vernehmung die Rohdateien zur Verfügung gestellt hat. Sie müssten sich also in den Asservaten befinden. Nach einigem hin und her einigte man sich darauf, die ursprünglich angedachte erneute Ladung des Zeugen auf den schon kommenden Prozesstag doch nicht vorzunehmen, da nicht klar war, ob bis dahin die Rohdateien als solche aus den Asservaten zu identifizieren sind. Sowohl die Verteidigung als auch der OStA äußerten, dem Zeugen umfangreiche Fragen stellen zu wollen, was insgesamt wohl einen gesamten Prozesstag andauern könnte.

Die Frage, wie mit geschnittenem bzw. aufbereitetem Videomaterial im weiteren Verlauf des Verfahrens umgegangen werden soll, wird sich vor allem auch dann stellen, wenn es um die sog. „Timeline“-Videos oder die „Multiperspektiven-Videos“ geht, die im Anschluss an die Katastrophe erstellt wurden und allgemein zugänglich sind. Gerade sie machen die Abläufe anschaulich, aber sie sind geschnitten – und damit kein Originalmaterial.

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