Opferzeugen

Inzwischen haben einige Nebenkläger begonnen, ihre Aussagen zu machen. Jede Zeugin, jeder Zeuge wird dabei (richtigerweise) detailliert befragt, und zwar vom Gericht ebenso wie von der Staatsanwaltschaft, den Verteidigern und den Nebenkläger(vertretern). Dabei st es auch das recht der Verteidigung, Widersprüche in den Aussagen zu hinterfragen, was natürlich dem einen oder anderen Zeugen nicht gefallen und ihn sogar belaste dürfte. Das ist aber die Konsequenz, wenn man ein solches Verfahren erst 7 1/2 Jahre nach dem Ereignis durchführt. Die Schilderungen der Opferzeugen werden teilweise im WDR-Blog wiedergegeben und sollen daher hier nicht angesprochen werden.

Wohl aber die Tatsache, dass schon jetzt deutlich wird, dass wesentliche Akteure des Veranstaltungstages jetzt nicht auf der Anklagebank sitzen, und wir dürfen gespannt sein, wenn diese Polizisten und ggf. Ordnungskräfte zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt geladen werden. Ob sie sich dann alle mit „ich kann mich nicht mehr erinnern“ herausreden können, wird man sehen müssen, denn Zeugen (ja, auch und gegerade Polizeizeugen) haben eine besondere Pflicht, alles daran zu setzen, sich zu erinnern. Und sie können, wie dies Polizeizeugen in fast jedem Strafverfahren tun, sich zuvor die Akten ansehen. Eine „Flucht ins Vergessen“ gibt es nicht.

Dieses Ergebnis mag dafür gesorgt haben, dass ein Nebenklägervertreter den Antrag stellte, das Verfahren gegen den ehemaligen Duisburger Baudezernenten und die Mitarbeiter des Bauamts abzutrennen. Zur Begründung führte er genau dies aus, nämlich dass nach den bisherigen Zeugenvernehmungen deutlich werde, dass die unmittelbare Verantwortung für das Unglück beim Durchführenden – also dem Veranstalter – und den Sicherheitskräften liege, nicht bei der genehmigenden Behörde. Leider verkennt der Kollege, dass diese Abtrennung nichts bringen würde außer der Tatsache, dass dann zwei Verfahren durchgeführt werden und die Beweisaufnehma doppelt erfolgen müsste: Einmal gegen die Behördenmitarbeiter der Stadt Duisburg, und einmal gegen die Lopavent-Mitarbeiter. Damit wäre aber nun wirklich niemandem gedient, am allerwenigsten den Opfern.

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